Frauenliebende Frauen | Konzept
21150
page-template,page-template-full_width,page-template-full_width-php,page,page-id-21150,cookies-not-set,ajax_fade,page_not_loaded,,select-theme-ver-3.5,wpb-js-composer js-comp-ver-5.0.1,vc_responsive
 

Konzept

Inhaltsverzeichnis

Idee   ━   Bezahlbarer Wohnraum   ━   Wohnen   ━   Pflege   ━   Health-care   ━   Kultur- und Freizeitveranstaltungen   ━   Fachkompetenz   ━   Kiez Café

Idee und Hintergrund

 

Ausgangslage:

Menschen mit Mehrfachdiskriminierung – dazu gehören gleichgeschlechtlich lebende Frauen generell, insbesondere frauenliebende Frauen im Alter und Lesben mit Behinderung – sind in hohem Maße von Isolation und Diskriminierung betroffen. Die Diskriminierung dieser Frauen besteht unter anderem darin, dass ihre Lebensweise verschwiegen wird und sie nicht als Zielgruppe mit eigenen Bedürfnissen benannt oder wahrgenommen werden. Sie haben mit zusätzlich erschwerten Bedingungen auf dem Weg in ein erfülltes Alter zu kämpfen.

In den Diskussionen um Seniorenarbeit ebenso wie in den bestehenden Einrichtungen für Senior_innen wird in der Regel nicht auf lesbische Frauen eingegangen. Gleiches gilt für die Behindertenhilfe. Lesbische Frauen bleiben als Gruppe unsichtbar, unbemerkt, übersehen. Im Unterschied zu schwulen Männern haben lesbische Frauen fast keine Lobby, fast keine öffentlichen Fürsprecher_innen – und lesbische Frauen im Alter oder Frauen mit Behinderung erst recht nicht. Hier kommt die strukturelle Benachteiligung von Frauen zusätzlich zum Tragen.

Selbstbestimmtes und diskriminierungsfreies Zusammenleben, Teilhabe und ein erfülltes Leben sollen für Lesben im Alter in einem übergreifenden Zentrum möglich sein, das Wohnen, Pflege, Beratung, gesundheitspräventive Angebote und kulturelle Veranstaltungen verbindet.

Bezahlbarer Wohnraum und Versorgungssicherheit

 

Idee des Projektes ist es, einen inklusiven Ort zu schaffen, an dem frauenliebende Frauen in einer solidarischen Frauen-/Lesbengemeinschaft wohnen und leben können und bis zu ihrem Lebensende selbstbestimmt und so selbstständig wie möglich bleiben können. Für diese Zielgruppe gibt es kein vergleichbares Angebot. Der wachsenden Zahl lesbischer Frauen, die in die Jahre kommen, steht kaum ein auf ihre Interessen und Bedürfnisse ausgerichtetes Angebot gegenüber. Dieses Projekt will einen Beitrag dazu leisten, diese Versorgungslücke zu schließen. Rund 200 Interessentinnen haben sich eingetragen, es erfolgen permanent weitere Anfragen.

Wir sehen überdies einen dringenden Bedarf, Wohnraum zur Verfügung zu stellen, dessen Miete auch für sozial Schwächere bezahlbar ist. Das geplante Projekt hat sich diese zum Ziel gesetzt: dauerhaft bezahlbaren Wohn- und Lebensraum zu schaffen für Menschen mit Mehrfachdiskriminierung/frauenliebende Frauen aller Generationen in einer inklusiven Gemeinschaft, die das Älterwerden selbstbestimmt gestaltet.

Darüber hinaus soll das Zentrum einen Ort für fachlichen Austausch bieten – rund um die Themen Lesben und Alter, Lesben mit Behinderung.

Wesentlicher Inhalt des geplanten Projektes ist es, bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen für Menschen mit Mehrfachdiskriminierung. Die Mieten sollen auch für sozial Schwächere bezahlbar sein.

Zielgruppe

Das Wohnprojekt richtet sich an frauenliebende Frauen mit und ohne Behinderung, an Frauen unterschiedlichen Alters, an Frauen aller Kulturen und an die queere Community (LSBT*I),

•   die in Zusammenhängen wohnen möchten, in denen sie sich nicht erklären müssen und offen zu ihrer Lebensweise stehen können
•   die die Begegnung mit unterschiedlichsten Frauen als Bereicherung erleben
•   die bereit sind, das gemeinschaftliche Leben aktiv mitzugestalten
•   die in geschützten Räumen leben möchten, ohne diskriminiert zu werden
•   die den Kontakt zu anderen frauenliebenden Frauen erhalten möchten, auch wenn sie in ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder versorgt werden müssen
•   die nach Alternativen suchen zum Alleinleben oder zu Seniorenheimen
•   die langfristig auf bezahlbaren Miet-Wohnraum angewiesen sind
•   die gemeinschaftlich und selbstbestimmt ihr Alter erleben wollen.


Zentral in Berlin-Mitte gelegen, östlich vom Alexanderplatz, gleich um die Ecke vom Kino International und unweit vom Volkspark Friedrichshain, umfasst der Neubaukomplex in der Berolinastraße rund 70 Wohnungen für Frauen/Lesben.
Alle Wohnungen sind altengerecht/barrierefrei geplant, einige Wohnungen rollstuhlgerecht. Die meisten Wohnungen verfügen über einen Balkon, und eine gemeinschaftlich nutzbare Loggia auf dem Dach rundet das Konzept ab. Der Besuchsdienst „Zeit für Dich“ des Rad und Tat e.V. unterstützt die Versorgung der Frauen im Wohnprojekt.

Gemeinschaftliches generationenübergreifendes Wohnen in rund 70 barrierefreien Wohnungen

 

 

Pflege-Wohngemeinschaft für frauenliebende und alleinstehende Frauen

 

Geplant ist darüber hinaus eine Pflege-Wohngemeinschaft im Projekt mit 8 Plätzen für pflegebedürftige Frauen. Jede Bewohnerin hat ein eigenes Zimmer. Mit einem kultursensiblen und lesbenrespektierenden Pflegekonzept sorgen wir dafür, dass sich jede Frau mit ihrer besonderen Biografie hier aufgehoben und wohlfühlt.

Das gesamte Zentrum ist barrierefrei geplant. Die große Dachloggia, der gemeinschaftliche Garten und die Gemeinschaftsräume des RuT im Erdgeschoss werden für alle Bewohnerinnen zugänglich sein.

Wir entwickeln gemeinsam eine bunte und lebendige Gemeinschaft. Hier sind Unterstützung und ein Miteinander möglich und vor allem das, was das Leben hier einmalig macht: ein frauen/lesbenfreundliches Solidarnetz, das auch hält, wenn alle Stricke reißen!

Melde dich persönlich oder für eine Freundin für einen Platz in der Wohngemeinschaft an.

Interessiert? Wir informieren gerne!

Pflege-Wohngemeinschaft für pflegebedürftige Frauen

Health-care – Gesundheitsprävention

 

Prävention und ganzheitliche Gesundheitsförderung stellen einen wesentlichen Faktor innerhalb des Gesamtkonzeptes dar. Gesundheitspräventive Gruppen und Kurse werden allen Bewohnerinnen des Projektes und interessierten Frauen stadtweit zur Verfügung stehen. Das können Kurse und Workshops wie Yoga, Qi Gong, Tai Chi, Gymnastik und Fitness, Körpertraining für Frauen ab 50 oder 60+, Tanz- sowie spezielle Bewegungsangebote für Frauen mit Behinderung sein. Ziel ist es, generell zu einer gesundheitsförderlichen Lebensweise beizutragen, zu aktivieren und damit die Lebensfreude zu stärken.
Rad und Tat wird auch die Beratung und Unterstützung der Bewohnerinnen des Projektes übernehmen. Einen großen Vorteil bietet das Projekt darin, dass Mitarbeiterinnen des RuT als Ansprechpartnerinnen tagtäglich vor Ort sind und jederzeit im Haus aufgesucht werden können oder auch die Frauen in ihren Wohnungen aufsuchen können. Das Projekt bietet kurze Wege zwischen professionellem Beratungsangebot und Wohnen in einem Haus.

Kultur- und Freizeitveranstaltungen

 

Ein breites Angebot an Kultur- und Freizeitveranstaltungen wird das Projekt zu einem lebendigen inklusiven kulturellen Zentrum für Lesben und andere Frauen aller Generationen machen. Geplant sind: Lesungen, Vortragsreihen, Ausstellungen, Tanzveranstaltungen, Erzählcafé, Café Inklusiv, Lesbenfrühstück, Spielenachmittage, Frauen-/Lesbenbibliothek, Kunsthandwerkerinnenmarkt, Tauschbörsen sowie Ausflüge, Wanderungen und Städtetouren entsprechend dem RuT-Sommerprogramm.
Auch die Selbstorganisation der Bewohnerinnen wird großgeschrieben. Sie werden hier den Raum haben, sich in Eigeninitiative und mit eigenen Ideen einzubringen und Veranstaltungen zu organisieren.

Fachkompetenz mit Bildungs- und Fachveranstaltungen, Beratung und Information

 

RuT-FrauenKultur&Wohnen versteht sich als Kompetenzzentrum rund um die Themen Lesben und Alter, Lesben mit Behinderung. Hier werden einzigartig Kompetenzen und Erfahrungswissen gebündelt, die in der Form bisher kaum zu finden sind. Vorgesehen sind Bildungsveranstaltungen, Fachveranstaltungen und Tagungen. Auch der vom Bundesministerium geförderte Dachverband Lesben und Alter wird mit seiner Geschäftsstelle im Projekt verortet sein. Im Dachverband sind Organisationen und Projekte vernetzt, die zum Thema Lesben und Alter arbeiten. Der Dachverband bündelt Fachkompetenz verschiedenster Fachfrauen und Wissenschaftlerinnen, trägt neue Impulse und Erkenntnisse zur Verbesserung der Lebenssituation älter werdender und alter Lesben zusammen und entwickelt sie weiter. Der Dachverband führt regelmäßig bundesweite und regionale Fachveranstaltungen durch. Rad und Tat e.V. ist seit der Gründung des Verbandes 2009 aktives Mitglied.
Gleichzeitig wird das Zentrum ein Informationsort für Frauen/Lesben, der umfassend sowohl Beratung als auch Informationsmaterial bieten wird. Hier bekommen Frauen psychosoziale Beratung, Paarberatung für Frauenpaare, spezielle Beratung für Lesben mit Behinderung, Coming-out-Beratung. Das gemeinschaftliche Wohnen kann durch Beratung zur Konfliktlösung begleitet werden.

Kiez-Café und Veranstaltungssaal

Geplant ist ein öffentliches Café, das Raum bietet für Begegnungen zwischen Bewohner_innen des Hauses und externen Besucher_innen. Herzlich willkommen sind natürlich auch Besucher_innen aus dem Kiez. Denkbar ist zudem ein Mittagstisch, mit dem das Kiez-Café ein Versorgungsangebot nicht nur für ältere Menschen im Kiez und im Haus, sondern für alle Interessierten bereitstellt.

Zwischen Kiez-Café und den Räumen von Rad und Tat e.V. wird es einen großen (teilbaren) Veranstaltungsraum geben, der sowohl von den Bewohnerinnen wie auch von externen VeranstalterInnen genutzt werden kann.